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Rezensionen: Geschwindigkeits- und Abstandsmessungen
im Straßenverkehr, 2. Auflage
- von Rechtsanwalt Ulrich Ziegert in zfs
2011, 136:
Ein Verteidiger muss sich in straßenverkehrsrechtlichen
OWi-Verfahren, wie die Herausgeber im Vorwort feststellen, nicht zuletzt mit
Messverfahren auseinandersetzen, besonders wenn Gegenstand des Vorwurfes
Geschwindigkeitsüberschreitungen, Abstandsunterschreitungen oder
Rotlichtverstöße sind. Dafür soll ihm mit dem vorliegenden Werk
das notwendige Rüstzeug an die Hand gegeben werden. Hohe Sachkompetenz des
Verteidigers gerade in diesem Bereich ist, wie die Herausgeber weiter anmerken,
immer noch die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Verteidigung. Die
vorliegende, vorzügliche, gut verständliche und bildgestützte
Darstellung, an der ein Jurist, eine Rechtsmedizinerin, ein Informatiker, ein
Dipl.-Ingenieur und zwei Dipl.-Physiker mitgewirkt haben, erleichtert jedem die
Einarbeitung in die Materie, besonders wenn er auch noch ein physikalisches
Grundverständnis mitbringt.
Das Werk ist in vier große Teile gegliedert. Der
umfangreichste Teil 1 betrifft die Messverfahren. Die Vielschichtigkeit der
hier vermittelten Informationen kann in einer Rezension bestenfalls angedeutet
werden. Neidel beginnt mit der Darstellung der Grundlagen des Eichwesens und
der Rolle der PTB bei der Eichung und Zulassung der Messgeräte. HP
Grün, Neidel, Groß, Backes u.M. Grün stellen alle zur
Feststellung einer Abstandsunterschreitung sowie
Geschwindigkeitsüberschreitung derzeit eingesetzten Messverfahren mit
ihrer spezifischen Messtechnik, insbesondere das Laser-, Lichtschranken- und
Radarmessverfahren sowie Messungen durch Nachfahren, und zwar jeweils mit und
ohne Bilddokumentation, vor. Die Verf. erläutern jeweils Messprinzip und
Funktionsweise und gehen selbstverständlich auch auf Fehlerquellen und
erforderliche Toleranzabzüge ein. Dem Leser werden Bilder, die ein
verwertbares Messergebnis zeigen und solche, die bei denen dies nicht der Fall
ist, vorgeführt, wobei auch die Bedeutung von Dateneinblendungen
aufgezeigt wird. Tabellarische Übersichten, spezielle Hinweise und
Checklisten für korrekte Messungen erleichtern die Orientierung. Den
beschriebenen Messmethoden werden einschlägige Gerichtsentscheidungen
zugeordnet.
Mit der Rotlichtüberwachung befasst sich Groß. Er
beschreibt die Funktionsweise von Rotlichtanlagen mit und ohne
geräteinterne Berechnung der vorzuwerfenden Rotzeit und schildert dabei
detailliert - wiederum bildgestützt - die Anforderungen an eine korrekte
Auswertung. Auch er fasst die Ergebnisse jeweils in Checklisten für eine
korrekte Messung zusammen.
Die Aufmerksamkeit des Lesers sei besonders auf den Teil 2, in
dem Bellmann und Brückner die derzeitigen Erkenntnisse der Identifizierung
einer Person anhand eines Gesichtervergleichs ausbreiten. Arbeitsgrundlage sind
ein zu überprüfendes Beweisbild von Fahrer bzw. Täter und ein
Vergleichsbild der vermuteten Person. Die Autoren informieren über
Kriterien der Eignung, Bearbeitung und Speicherung von Beweisbildern und
über Einflussfaktoren von Vergleichsbildern. Sie weisen z.B. darauf hin,
dass selbst bei teilvermummten Personen ein Vergleich der sichtbaren
Gesichtsanteile für die Identifizierung aufschlussreich sein kann. Sie
legen weiter ausführlich dar, wie ein morphologisches Gutachten aufzubauen
ist und stellen klar, dass die dargestellten Merkmalsausprägungen auch
für Ungeübte nachvollziehbar sein müssen. Einen sog.
morphologischen Blick des Gutachters, der mehr als andere sieht, gibt es
nicht. Die Autoren stellen in einer systematischen Auflistung für
den Kopf- und Gesichtsbereich nicht weniger als 91 Merkmale zusammen. Sie
machen schließlich auf einen Vorbehalt für jeden morphologischen
Bildvergleich aufmerksam: Es dürfe kein engerer Blutsverwandter der
beschuldigten Person als Täter infrage kommen.
Für die rechtliche Unterfütterung in Teil 3 sorgt
Burhoff. Er zeichnet zunächst sorgfältig die Argumentation des BVerfG
in den beiden grundlegenden Beschlüssen v. 11.08.09 und 05.07.10 zur
Ausstrahlung des Grundrechts der informationellen Selbstbestimmung auf
Videomessungen im Straßenverkehr (Stichwort: verdachtsunabhängige
Überwachung) nach und lotet das Echo, das diese Entscheidungen in der
Rspr. der Amts- und Oberlandesgerichte zur Frage eines
Beweisverwertungsverbotes gefunden haben, aus. Seine in diesem Zusammenhang
geäußerte Ansicht, dass ein Messbeamter nicht schon beim Einstellen
der Grenzwerte an der Kamera einen Anfangsverdacht auslösen kann, nimmt
man zwar mit Sympathie zur Kenntnis, kann sich aber auch seiner realistischen
Einschätzung dahin, dass die Diskussion mit der abweichenden Sicht des
BVerfG zu Ende sein dürfte, nicht verschließen. Der Autor
durchleuchtet weiter die zur Geschwindigkeitsüberschreitung, zur
Abstandsunterschreitung und zu Rotlichtverstößen vorliegende Rspr.
des BGH und der Instanzgerichte. Dabei listet er u.a. tabellarisch auf, welche
Gerichte welches Messverfahren als standardisiert anerkannt haben. In einem
Unterabschnitt über ausgesuchte Verfahrensfragen wendet er sich
prozessrelevanten Themen zu, wie z.B. dem Recht auf Einsicht in die Lebensakte
eines Messgerätes, der Identifizierung des Betroffenen anhand eines
Radarfotos einschließlich der Bezugnahme auf ein Lichtbild in den
Urteilsgründen, den Beweisverfahren in OWi-Sachen und der Einlegung der
Rechtsbeschwerde. Der Verteidiger wird davor gewarnt, es sich mit der
Formulierung eines Beweisantrages zur Identität des Fahrers auf dem
Lichtbild zu einfach zu machen, indem etwa nur pauschal darauf abgehoben werde,
dass der Betroffene nicht der Fahrer gewesen sein könne. Ein
prozessordnungsgemäßer Beweisantrag müsse vielmehr konkrete
morphologische Merkmale, die eine Identität des Betroffenen mit der auf
einem Radarfoto abgebildeten Personen ausschließen, nennen. Das stellt
hohe Anforderungen an den Verteidiger, dem dabei aber die Merkmalsauflistung in
Teil 2 zur Hilfe kommen kann.
Unter den in Teil 4 abgedruckten Arbeitshilfen nimmt das
Rspr.-Lexikon einen besonderen Rang ein. Grundbegriffen von Abstandsmessung bis
Video-Abstandsmessverfahren werden - nach praxisrelevanten Stichworten
untergliedert - gerichtliche Entscheidungen mit Fundstellennachweisen in
Leitsätzen, die auf der CD-ROM im Volltext abgerufen werden können,
zugeordnet. Weiter sind in diesem Teil auszugsweise die BKatV, das EichG, die
EichO und das OWiG sowie die Länderrichtlinien zur
Geschwindigkeitsüberwachung abgedruckt.
Daran, dass dieses verdienstvolle Werk Rechtsanwälten,
aber auch Bußgeldbehörden und Verkehrsrichtern, unschätzbare
Dienste leisten wird, kann kein Zweifel aufkommen.
- von RA/FAStR Volker Willemsen aus VRR 2011, 20
Dieses praxisorientierte Handbuch vermittelt das
notwendige technische und juristische Wissen für eine rechtssichere
Beratung in straßenverkehrsrechtlichen
Ordnungswidrigkeitsverfahren. Für eine erfolgreiche Verteidigung
sind Kenntnisse über die Fehlerquellen der verschiedenen Messverfahren
zwingend notwendig. Dies gilt sowohl für den Bereich der
Geschwindigkeitsüberschreitungen und Abstandsüberschreitungen, als
auch für den Rotlichtverstoß. Diese drei Rechtsgebiete gehören
zu den häufigsten begangenen Verkehrsordnungswidrigkeiten im
Straßenverkehr und sind für die Mandanten wegen der weitreichenden
Folgen, wie dem Fahrverbot einhergehend mitunter mit einem drohenden Verlust
des Arbeitsplatzes, von erheblicher Bedeutung. Nur mit fundiertem Wissen auch
der technischen Fragen ist es möglich, die Mandanten vor Fahrverboten und
hohen Bußgeldern zu bewahren. Mit Hilfe der Kenntnisse lassen sich
oftmals schon im Ermittlungsverfahren optimale Ergebnisse erzielen. Dafür
ist das Buch für die Praxis eine wertvolle Hilfe.
Die fehlerhafte Beweisführung der
Ermittlungsbehörden ist kein Einzelfall. Eine Auswertung von
5000 Bußgeldakten aus ganz Deutschland durch die VUT
Sachverständigengesellschaft mbH & Co.KG (www.vutonline.de) hat ergeben, dass die
Beweisführung in mehr als der Hälfte der Vorgänge nicht korrekt
ist. Die Fehlerquellen sind u.a. fehlerhaft ausgefüllte Messprotokolle,
verwechselte Fahrzeuge, eine fehlerhafte Handhabung der Messgeräte und
die falsche Durchführung der Messung. Die personelle Struktur
der Ermittlungsbehörden führt zudem dazu, dass zahlreiche
Vorgänge in kurzer Zeit bearbeitet werden müssen. Für eine
gründliche Prüfung der einzelnen Fälle bleibt in den
meisten Fällen keine Zeit, weswegen ein hohes Fehlerpotential besteht. Die
Überprüfung der Ergebnisse der Ermittlungsbehörden mit Hilfe des
Buches ist daher lohnenswert.
Schon das Autorenteam verspricht eine kompetente und
detaillierte Aufarbeitung der Materie.
Detlef Burhoff, Rechtsanwalt, Richter am OLG a.D., ist
Herausgeber von LexisNexis Strafrecht (www.strafrecht-online.de) sowie
geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift StrafRechtsReport
(StRR) und VerkehrsRechtsReport (VRR). Er hat zahlreiche straf- und
verkehrsrechtliche Standartwerke veröffentlicht und hat sich einen Namen
als Referent u.a. in der Anwaltsfortbildung gemacht. Detlef Burhoff
ergänzt die im Vordergrund stehenden technischen Ausführungen mit der
Darstellung der damit im Zusammenhang stehenden Rechtsfragen, wobei die
(spätere) Überprüfung des tatrichterlichen Urteils einen
Schwerpunkt bildet. Er vermittelt darüber hinaus taktische Ansätze
für die Verteidigung gegenüber der Verwaltungsbehörde bzw. im
gerichtlichen Verfahren.
Olaf Neidel hat sich nach seiner Ausbildung zum KfZ-Mechaniker
und KfZ-Meister zum KfZ-Sachverständigen qualifiziert und kann
mittlerweile acht Jahre Berufserfahrung als Sachverständiger für
Verkehrstechnik bei der VUT Sachverständigengesellschaft mbH Co.KG
vorweisen. Zudem ist er als Autor und Referent für die anwaltliche
Weiterbildung im Verkehrsrecht tätig.
Hans-Peter Grün hat als langjähriger Leiter mehrerer
Dienststellen der Verkehrsüberwachung Erfahrung in der Materie
gesammelt. Gerade die Kenntnisse u.a. aus seinem Aufgabenbereich der Ausbildung
von Verkehrsüberwachungsbeamten machen das Buch für den Praktiker
besonders wertvoll. Mittlerweile arbeitet auch er als Sachverständiger
für Verkehrsmesstechnik und Geschäftsführer der VUT
Sachverständigengesellschaft mbH & Co. KG. Er hat sich ebenso mit der
Entwicklung des ersten videogestützten Abstandsmessverfahrens wie
mit der Einführung der Provida- und Lasermesssysteme in die
saarländische Verkehrsüberwachung sowie der Entwicklung moderner
Bildbearbeitungsmethoden im behördlichen OWI-Verfahren befasst.
Neben den vorgenannten Herausgebern wird das Autorenteam von
weiteren neu hinzugewonnenen Fachleuten ergänzt.
Die praxisorientierte Darstellung der gesamten Rechtsmaterie
lässt dabei keine Fragen offen. Mit Hilfe von Abbildungen,
Fallbeispielen, Rechtsprechungshinweisen und Checklisten zu den einzelnen
Messverfahren werden Fehlerquellen und -potenziale erläutert. In
Verbindung mit den entsprechenden juristischen Ausführungen erhält
der Leser konkrete Anhaltspunkte für eine erfolgreiche Verteidigung.
Die Autoren beschränken sich dabei nicht nur auf die relevanten
materiell-rechtlichen Bereiche der Verkehrsverstöße, sondern
vermitteln die Darstellung und Erläuterung der technischen Fragen. Mit
über 300 (Original-)Bildern, Skizzen und Checklisten werden die einzelnen
Messverfahren anschaulich erläutert.
Das Buch ist in vier Teile gegliedert. Im ersten Teil werden
sämtliche Messverfahren und deren Fehlerquellen erläutert. Teil zwei
befasst sich mit dem morphologischen Bildgutachten. Im dritten Teil werden
Rechtsfragen im Zusammenhang mit Geschwindigkeitsüberschreitung,
Abstandsmessung und Rotlichtverstoß bearbeitet. Das Buch schließt
im vierten Teil mit vielen Arbeitshilfen. Neben einem Rechtslexikon und
ausgewählten Gesetzen und Verordnungen sind die Richtlinien für die
Geschwindigkeitsüberwachung der einzelnen Bundesländer eine wertvolle
Hilfe.
Neu in der 2. Auflage: Rotlichtüberwachung &
stationäre Messegeräte, Morphologische Bildidentifikation,
Integrität, Authentizität und Datenschutz bei digitalen Messdaten,
Steuerung und Reflexion von Radarstrahlung an der Fahrbahnoberfläche.
Die vermittelten technischen Abläufe und Vorgaben der
Messverfahren ermöglichen es dem Verteidiger beispielsweise, mit der
Aufdeckung von Messfehlern und Messungenauigkeiten ggf. einen höheren
Toleranzabzug oder gar die gänzliche Unverwertbarkeit der Messung zu
erreichen, um so eine Verurteilung oder zumindest ein drohendes Fahrverbot zu
verhindern. Der Verteidiger wird im Bereich der Täteridentifikation zudem
in die Lage versetzt, gegen die erfolgte Identifikation des Mandanten als
Fahrer anzugehen.
Die beiliegende CD-ROM mit einem Rechtsprechungslexikon mit
ca. 600 (obergerichtlichen) Entscheidungen zur Abstandsmessung,
Geschwindigkeitsüberschreitung, zum Rotlichtverstoß und zu den
dazugehörigen Messverfahren - sowie eine umfassende Gesetzessammlung und
die Richtlinien der Bundesländer für die
Geschwindigkeitsüberwachung - macht das Werk komplett. Die CD-ROM
ermöglicht es dem Leser, die rechtlichen Fragen ohne Hinzuziehung weiterer
Hilfsmittel lösen zu können.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass das Buch auch in der
Neuauflage dem Anspruch, eine praxistaugliche und verlässliche
Arbeitshilfe nicht nur des reinen Strafverteidigers vollauf gerecht wird. Das
Werk wendet sich zwar in erster Linie an den Rechtsanwalt als Verteidiger, ist
aber auch für Richter, Sachverständige oder die
Verwaltungsbehörden eine wertvolle Arbeitshilfe.
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