;

Diese Homepage verwendet Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf die Website zu analysieren. Außerdem gebe ich Informationen zu Ihrer Nutzung meiner Website an meine Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

OK Details ansehen >Datenschutzerklärung

Rezensionen 6. Auflage: Praxis des Straßenverkehrsrechts

  • von RA Rudolf Günter, Aachen, aus NZV 2016, 466

    Die erfolgreiche Vertretung des Mandanten in straßenverkehrs-rechtlichen Fällen erfordert breit gefächerte Kenntnisse im zivilrechtlichen, straf- und verwaltungsrechtlichen Bereich. Häufig benötigt der Rechtsanwender auch technisches Spezialwissen. Dieses Spezialwissen wird von den Herausgebern und dem versierten Autorenteam umfassend vermittelt. Das Werk befindet sich in der aktuellen 6. Auflage nunmehr auf dem Stand Februar 2015 und umfasst rund 2.100 Seiten.

    Sämtliche für das Verkehrsrecht relevanten Rechtsgebiete werden in insgesamt 14 Kapiteln in einer systematischen Strukturierung dargestellt und ermöglichen dem Leser einen schnellen Zugriff auf die jeweiligen Fachthemen.

    Inhaltlich behandelt das Werk zunächst alle wesentlichen Fragen des Versicherungsrechts, des Haftungsrechts und des Vertragsrechts. Sodann folgen Abschnitte zum Strafrecht, Verkehrsordnungswidrigkeiten und Verstöße bei Messungen. Die folgenden Kapitel befassen sich mit dem Fahrerlaubnisrecht, der Verkehrsmedizin und -psychologie, arbeitsrechtlichen Themen, wie z. B. Dienstwagennutzung und Arbeitsunfälle sowie dem Auslandsunfall, der aus zivil- und strafrechtlicher Sicht beleuchtet wird. Sodann werden die Themenbereiche Unfallrekonstruktion als auch -manipulation erörtert und abschließend erfolgen Ausführungen zur Rechtsanwaltsvergütung und Rechtsschutzversicherung.

    Für das völlig neu bearbeitete Kapitel zum Personenschaden konnte mit Doukoff ein ausgewiesener Experte der komplexen Thematik als Mitautor gewonnen werden. Grundlegend neu bearbeitet wurden auch die Themen "Neuwagenkauf, Gebrauchtwagenkauf und Automiete" im Kapitel "Vertragsrecht". Hierfür zeichnet Heimgärtner als ausgewiesener Experte in dem von ihm bearbeiteten Themenkreis verantwortlich. Holtkötter, ein Experte aus einem der führenden Sachverständigenbüros in Deutschland, hat das Kapitel "Sachverständigenwesen und Unfallrekonstruktion" ebenfalls vollständig neu bearbeitet, um hier nur einige Veränderungen zur Vorauflage zu nennen.

    In den Kapiteln "Geschwindigkeits-, Abstandsmessung und Rotlichtverstoß", "Verkehrsunfallrekonstruktion" und "Unfall-manipulation" werden durch viele Originalbilder aus der gutachterlichen Praxis, Skizzen und Diagramme die textlichen Dar-stellungen anschaulich ergänzt.

    Ausführlich behandeln die namhaften Autoren alle verkehrs-rechtlichen Gesetzesänderungen seit Erscheinen der Vorauflage, wie beispielsweise das Fahrerlaubnisrecht mit der Änderung des Punktesystems und die Neudefinition der Fahrerlaubnisklassen. Ebenfalls eingearbeitet wurden die technischen Änderungen, die es insbesondere in der Geschwindigkeits- und Abstandsmessung gegeben hat.

    Zahlreiche Muster und Checklisten erleichtern mit einem hohen Praxisbezug den Einstieg in das Straßenverkehrsrecht. Die beiliegende CD-ROM ermöglicht außerdem eine problemlose Übernahme in die eigene EDV.

    Das Handbuch dient als optimales Einstiegswerk in die komplette straßenverkehrsrechtliche Thematik und ist für alle Personen konzipiert, die im Verkehrsrecht tätig sind, wie beispielsweise Rechtsanwälte, Versicherer, Sachverständige, Gutachter und Richter. Zudem bietet dieses Werk angehenden Fachanwälten für Verkehrsrecht eine wertvolle Hilfe zur Vorbereitung auf die Klausuren. Aber auch der nur gelegentlich mit straßenverkehrsrechtlichen Fällen befasste Rechtsanwender wird von dem Werk profitieren. Die Erläuterungen sind gut verständlich, jederzeit zielorientiert und weisen einen hohen Praxisbezug auf. Das Handbuch überzeugt durch eine sehr gute Darstellung der großen inhaltlichen Bandbreite des Verkehrsrechts. Deshalb kann an dieser Stelle eine uneingeschränkte Kaufempfehlung ausgesprochen werden.



  • Von RiAG Dr. Benjamin Krenberger, Landau, aus zfs 2015, 497

    Mit über 2.000 Seiten inklusive Verzeichnissen ist die Neuauflage des Kompendiums zum Straßenverkehrsrecht schon optisch und physisch ein echtes Schwergewicht. Aber auch dem Inhalt kann dieses Prädikat problemlos verliehen werden: Das Handbuch hinterlässt einen sehr positiven Eindruck. Dies sogar, obwohl es eine große Herausforderung ist, das Verkehrsrecht im Ganzen erfassen zu wollen, denn dieses Unterfangen ist hier eindeutig gelungen. Das ohnehin schon reichhaltige Werk wurde in Teilen neu gefasst (die Kapitel "Sachverständigenwesen und Unfallrekonstruktion" oder auch "Neuwagenkauf" und "Gebrauchtwagenkauf") bzw. ist von neuen Bearbeitern gründlich durchgesehen worden ("Auslandsunfall"), denn im Autorenteam gab es zahlreiche Wechsel. Auf einer CD-ROM sind die im Buch vorhandenen Muster abrufbar, zudem existiert ein eigenes Musterverzeichnis.

    In insgesamt 14 Kapiteln wird das Straßenverkehrsrecht thematisch eingegrenzt. Interessanterweise darf das Versicherungsrecht an erster Stelle stehen, was aber angesichts der Realität der Regulierung und der dabei entstehenden Streitigkeiten nur folgerichtig ist. Sodann folgen Abschnitte zum Haftungsrecht und zum Vertragsrecht, zum Strafrecht, zum Verkehrsordnungswidrigkeitenrecht und im Besonderen zu Verstößen mit Messungen. Es folgen Kapitel zum Fahrerlaubnisrecht, zur Verkehrsmedizin, zu arbeitsrechtlichen Bezügen, zum Auslandsunfall, zur Verkehrsunfallrekonstruktion, sowie zur Unfallmanipulation. Abgeschlossen werden die Ausführungen mit Abschnitten zur Vergütung sowie zur Rechtsschutzversicherung.

    Das Handbuch ist umfassend und umfangreich zugleich und so können nur einzelne Stichproben zur Qualitätsprüfung auf engem Raum herangezogen werden. Zum ersten zu loben ist die hohe Aktualität der Erläuterungen. Bspw. wurden schon die Rechtsprechung des EuGH zur Zustellung der Klage an den Schadensregulierungsbeauftragten (S. 1.524), die neueste Rechtsprechung des OLG Düsseldorf und des OLG Hamm zum Handyverstoß (S. 990-992) oder auch die Rechtsprechung zur Helmpflicht von Fahrradfahrern (S. 193) eingearbeitet. Merkwürdigerweise nicht enthalten ist die Rechtsprechung des BGH zum Ersatz von Sachverständigenkosten im zugehörigen Kapitel (S. 316 ff.), weder zur quotalen Erstattung noch zur Frage der Höhe der Kosten. Zum Zweiten sind die Ausführungen ausgewogen, was die präzise Darstellung von Einzelheiten und demgegenüber die pragmatische, bisweilen kursorische Abbildung eines Themengebiets angeht. So entsteht für den Leser eine gesunde Mischung mit jeweiliger Möglichkeit zur vertiefenden Lektüre anderenorts. Lobend zu erwähnen sind hier etwa die Unterkapitel zu den Mietwagenkosten (S. 298 ff.), zur Vorsatzprüfung bei § 316 StGB (S. 706 ff.), zum vorläufigen Entzug der Fahrerlaubnis (S. 1.409 ff.) oder auch zur Wahrnehmbarkeit von Kleinkollisionen (S. 1.766 ff.). Schließlich ist der intensive prozessuale Ansatz des Buches bemerkenswert und qualifiziert es im Besonderen als "Praxis"-Handbuch. Dies ist gut zu sehen bei den Fragen der behaupteten Unfallmanipulation (Vorschadensfrage, S. 1.876 ff.) oder bei dem Umgang mit dem Institut des Anscheinsbeweises (Einzelfälle, S. 259 ff.).

    Die Gestaltung des Handbuchs ist ansprechend und bietet neben dem Fließtext samt Verweisen und Hervorhebungen noch Checklisten, Hinweise und Beispiele. Die abundante Mehrfachnennung von Fundstellen halte ich angesichts der Recherche in Datenbanken für überarbeitenswert, zeugt aber auch von einer angenehmen Akribie der Autoren.

    Das Fazit ist leicht: Wer ein Einstiegswerk für die Beratung im Straßenverkehrsrecht sucht, ist mit diesem Handbuch gut bedient, ebenso aber auch der Rechtsanwender, der bestimmte verkehrsrechtliche Teilgebiete nur sporadisch bedient und sich nun punktuell einen Überblick verschaffen möchte. Gerade die gut verständlichen und zielorientierten Erläuterungen passen zu den Anforderungen an "moderne" Arbeitshilfen bei gleichzeitig engem Terminkalender. Der hohe Praxisbezug und die Aktualität der Ausführungen machen das Handbuch zusätzlich wertvoll. Insgesamt also eine sehr erfreuliche Neuauflage.



  • von RiAG Carsten Krumm, Lüdinghausen auf „Die Rezensenten“.

    „Das nunmehr in 6. Auflage vorliegende Werk der drei Herausgeber Ludovisy, Eggert und Burhoff ist ein echtes Schwergewicht, das mittlerweile fast 2100 Seiten dick geworden ist. Es erscheint in einer schwierigen Umgebung: Einerseits muss es mit anderen Fachanwaltshandbüchern konkurrieren, andererseits mit spezielleren Werken, die sich mit Ausschnittsthemen des Buchs befassen, wie etwa dem von Burhoff herausgebrachten „Handbuch für das straßenverkehrsrechtliche OWi-Verfahren“. Gleichzeitig hatte das Buch auch noch mit einem kräftigen Autorenaustausch zu kämpfen. Sieben Autoren haben das Werk nach der letzten Auflage verlassen – da grenzt es schon an ein Wunder, wenn man 4 Jahre nach der letzten Buchauflage ein Buch in der Hand hält, das keine wesentlichen Lücken oder Überschneidungen erkennen lässt. Dies liegt sicher auch daran, dass die drei Herausgeber sich intensiv um die Bearbeiter und deren Bearbeitungen bemühen.

    Was ist also inhaltlich im Buch vorhanden? 14 Paragrafen gliedern den Inhalt. Los geht es dabei mit zivilrechtlichen Themen: Versicherungsrecht, Haftungsrecht und Vertragsrecht. Diesen Themen ist – ausgehend von der Bedeutung in der verkehrsrechtlichen Praxis – ein Umfang von fast 600 Seiten eingeräumt worden. Es geht dabei zunächst um Haftungsgrundlagen und Haftungsverteilung. Letztere Thematik enthält eine hervorragende – von Eggert erstellte – Übersicht über Haftungsquoten in den wichtigsten Fallkonstellationen (§ 2 Rn. 327 ff.). Hier findet man dann je eine kurze Einleitung in das Problem und dann zahllose Rechtsprechungsbeispiele, die in der Regel Haftungsquoten angeben. Der Leser kann hierdurch in den üblichen Fällen also gut auch ohne spezielle Literatur zu Haftungsquoten „über die Runden kommen“. Einen dicken Textblock machen dann auch der Sachschaden und der Personenschaden aus. Weiterhin finden sich noch ausführliche Erörterungen zum Autokauf, zur Automiete, zum Leasing und zum Autoreparaturvertrag. Damit ist tatsächlich das gesamte Verkehrszivilrecht in dem Buch abgebildet.

    Es schließt sich dann der strafrechtliche Buchteil an, angeführt vom Verkehrsstrafrecht, gefolgt vom Ordnungswidrigkeitenrecht. Diese Bearbeitungen, immerhin fast 500 Seiten wurden von Burhoff alleine geschultert. Dies ist freilich ein Riesenpensum, zumal die Darstellungen, wie stets bei Veröffentlichungen Burhoffs die Rechtsprechung und die Literatur komplett auswerten. Erfreulich ist hierbei, dass Burhoff auch die Fahrtenbuchauflage und die Vollstreckung europäischer Geldsanktionen mit in diesem Zusammenhang erörtert. Die Herausgeber haben dann den Geschwindigkeits-, Abstands- und Rotlichtverstößen einen eigenen Abschnitt gegönnt und von den beiden Sachverständigen Golder und Schmedding verfassen lassen. Aus technischer Sicht zweifellos eine gute Wahl – m.E. hätte es hier gut getan, wenn hier einer der juristischen Mitautoren zumindest noch materiell-rechtliche/prozessuale Verteidigungstipps hätte einfließen lassen. Dies mag allerdings Geschmackssache sein.

    Weiterhin schließt sich ein verkehrsverwaltungsrechtlicher Teil an. Hier geht es etwa um den Fahrerlaubniserwerb, die Fahrerlaubnis auf Probe und das begleitete Fahren ab 17 alles jeweils von Ludovisy dargestellt wird und um die Entziehung der Fahrerlaubnis bei Eignungsmängeln. Die Herausgeber haben hierfür den Praktiker Kalus als Autor gewinnen können, was sicher eine gute Wahl war. Dieser befasst sich in diesem Zusammenhang auch mit dem Fahreignungsregister und den Punkten. Zudem stellt er – sinnvollerweise – anhand der zentralen EuGH-Entscheidungen die europarechtliche Rechtsprechung zum EU-Führerschein dar. Für die Beratung in Fällen der strafrechtlichen Fahrerlaubnisentziehung hält dann Ludovisy noch eine Beratungshilfe von etwa 30 Seiten parat – anhand dieser kann jeder Anwalt in „Führerscheinverfahren“ prüfen, ob er alle Ansätze/Gesichtspunkte hinreichend berücksichtigt hat (S. 1394 ff.).

    Einen weiteren großen Buchteil machen medizinische und psychologische Ausführungen aus. Diese werden im Großen und Ganzen nach verkehrsrechtlichen Themenkreisen dargestellt. Nach einigen Grundlagen werden nämlich erwartungsgemäß die Themen Kraftfahreignung und Begutachtung, Arzneimittel/Alkohol/Drogen und schließlich auch medizinische Fragen der Unfallanalytik behandelt. Überraschender sind dann kürzere Kapitel zur Verkehrsumwelt und zu arbeitsmedizinischen Aspekten. Sicher hoch interessant – in einem reinen Praktikerbuch für Verkehrsjuristen erscheint mir dies aber etwas zu weitgehend.

    Überzeugend ist dann der Auslandsunfall dargestellt. Nach einer etwa 10-seitigen Einführung in die Problematik und vor allem die 4. und 5. KH-Richtlinie finden sich Darstellungen zur Rechtslage in den wichtigsten europäischen Staaten, beginnend mit Belgien über Frankreich, Großbritannien und Norwegen bis hin zu Ungarn. Die Länderteile sind dabei von dem Autorenteam Floßmann/Neidhart stets nach Zivilrecht und Strafrecht geteilt und innerhalb dieser Teilung stets nach dem gleichen Schema aufgebaut. Den Leser des Buchs wird gerade das sehr freuen, zumal den Autoren von den Herausgebern 150 Seiten für das Thema eingeräumt wurden.

    Umsichtig bei der Themenauswahl des Buches war es auch, mit § 10 einen arbeitsrechtlichen Teil aufzunehmen – u.a. Dienstwagennutzung (einschließlich steuerrechtlicher Aspekte), Haftungsfragen, Kündigung infolge eines Verkehrsvergehens und natürlich Arbeitsunfälle werden hier erörtert.

    Ein weiterer großer Abschnitt ist der Unfallrekonstruktion gewidmet – hier wird letztlich Sachverständigenwissen präsentiert. Gerade Anfänger im Verkehrsrecht werden dankbar sein, fehlt doch ohne Prozesserfahrung oft die Vorstellung von dem was ein Sachverständiger eigentlich genau tut und wo die Grenzen einer Begutachtung sind. Am Buchende findet sich dann vor allem erwartungsgemäß noch ein Vergütungsteil, der von Brückner verfasst wurde und vor allem durch seine klare Gliederung und viele Berechnungsbeispiele besticht. Für jüngere Anwälte eine super Übersicht über die Materie.

    Aber nicht nur vom Inhalt her macht das Buch einen runden Eindruck. Es finden sich zudem zahlreiche Musterschreiben an geeigneten Stellen (etwa Schriftsätze im Hinblick auf Fahrerlaubnissachen - § 7 Rn. 819 ff), tabellarische Übersichten zur Rechtsprechung (etwa im Rahmen der Darstellungen zur Wartezeit im Rahmen des § 142 StGB, bei der Mittelgebühr - § 13 Rn. 315 oder im Bereich der Haftungsquoten - § 2 Rn. 282 ff. ) und sonstige Arbeitshilfen (wie etwa Gegenstandswertkataloge im Verkehrsverwaltungsrecht - § 7 Rn. 816 oder auch Musterabrechnungen nach RVG). Immer wieder grafisch abgesetzte Hinweise für die tägliche Praxis des Verkehrsrechtlers sind ebenso zahlreich vorhanden. Am Rand des Buches ist dann auch deutlich gemacht, welche Materialien man auf der beiliegenden DVD wiederfindet. Innerhalb der jeweils bewusst kurzen Textabschnitte sind dann auch zur Förderung der Übersichtlichkeit Fettungen der wichtigsten Stichworte vorhanden, so dass sich jedes Thema schnell durcharbeiten lässt.

    Für wen ist das Buch nun geeignet? M.E. werden vor allem Berufsanfänger und Anwälte, die gerade dabei sind, sich auf Verkehrssachen zu spezialisieren, von dem Buch profitieren. Auch Anwälte, die etwa nur Verkehrsrecht in einem speziellen Bereich beraten (etwa als Fachanwalt Strafrecht) können das Buch gut für andere verkehrsrechtliche Bereiche nutzen. All diese Leser erhalten ein Kompendium jeglicher verkehrsrechtlicher Probleme auf hohem inhaltlichem Niveau. Auch der Allgemeinanwalt, der verkehrsrechtliche Mandate jedweder Couleur angehen will, wird mit dem Buch gut vorbereitet sein. Der bereits spezialisierte Verkehrsrechtler dagegen wird wohl eher (noch) tiefergehende Spezialwerke – wie etwa im OWi-Bereich Burhoffs bereits erwähntes „Handbuch des verkehrsrechtlichen OWi-Verfahrens“ - zu Rate ziehen. „

Rezensionen 5. Auflage: Praxis des Straßenverkehrsrechts

  • von Rechtsanwalt Bernd Brüntrup, Minden, aus DAR 2011, 616

    Vorzustellen ist ein dickleibiges Kompendium mit einem doppelten Anspruch: zum einen entsprechend dem Titel, ein Buch für die Praxis, und zum anderen ein Buch zum Arbeiten, so der Name der Reihe.

    Um es vorwegzunehmen: sowohl die drei Herausgeber, Dr. Ludovisy und Burhoff als Rechtsanwälte sowie Burhoff und Dr. Eggert als ehemalige OLG-Richter, letzterer als Vorsitzender, als auch die weiteren 17 Mitarbeiter sowie 1 Mitarbeiterin werden diesem Anspruch in höchstem Maße gerecht. In der nunmehr 5. Auflage, die erste erschien im Jahr 2000, sind Rechtsprechung und Literatur bis März 2011 berücksichtigt.

    Gegenüber der Vorauflage unverändert, siehe die Rezension von RA Dr. Fürst in VRR 2008, 141f., wird das Straßenverkehrsrecht in all seinen rechtlichen, aber auch technischen, Facetten in 14 Kapiteln umfassend dargestellt. Angefangen mit den klassischen Themen Mandatsbegründung und der gerade im Verkehrsrecht häufig vorliegenden Rechtsschutzversicherung (Teil 1), den weiteren Themen Rechtsanwaltsvergütung (Teil 2), Versicherungs-, Haftungs- und Vertragsrecht (Teil 3 -5), Straf- und Ordnungswidrigkeitenrecht, letzteres ergänzt durch einen eigenen Teil zu den am häufigsten vorkommenden Spezialthemen Geschwindigkeits- und Abstandsmessung sowie Rotlichtüberwachung (Teil 6 - 8), über das verwaltungsrechtliche Thema Fahrerlaubnisrecht (Teil 9), hin zu in der Praxis zwar wichtigen, aber häufig eher stiefväterlich behandelten Themen Verkehrsmedizin und -psychologie (Teil 10), Auslandsunfall (Zivil- und Strafrecht) (Teil 11), Kraftfahrzeug und Arbeitsrecht (Teil 12) sowie Sachverständigenwesen und Unfallrekonstruktion (Teil 13) und schließlich Unfallmanipulation (Teil 14) werden sämtliche relevanten Sachgebiete nicht nur als mögliche Vorbereitung für die Ausbildung zur/zum Fachanwältin/Fachanwalt für Verkehrsrecht, sondern auch für alle im Straßenverkehrsrecht tätigen Kolleginnen und Kollegen allumfassend abgehandelt, sprachlich verständlich dargestellt und zudem noch, wo nötig, mit Hinweisen auf weiterführende Spezialliteratur, versehen.

    Wie gehabt und für die Praxis äußerst nützlich ist jedem Teil ein ausführliches und sehr differenziertes Inhaltsverzeichnis vorangestellt, welches klassischen Spezialkommentaren in nichts nachsteht. In den nachfolgenden Literaturhinweisen wird sowohl auf Spezialkommentare als auch auf Fachaufsätze zu Einzelfragen hingewiesen.

    Für die daran anschließende inhaltliche Darstellung wird jeweils in beeindruckender Weise die Rechtsprechung, nicht nur der Obergerichte, verarbeitet. An zahlreichen Stellen enthält das Handbuch dazu hilfreiche tabellarische Rechtsprechungsübersichten, z. B. zur Quotenregelung bei Verstößen gegen §§ 8 bis 10 StVO (Vorfahrtsregelung) (S. 336f), zur Feststellung eines Minderwertes beim Leasingfahrzeug (S. 668f) oder zur Vorsatzproblematik bei § 316 StGB (S. 8021)

    Sehr nützlich gerade für die Praktikerinnen sind im Hinblick auf die knappe Ressource Zeit die fast auf jeder Seite eingerahmten "Hinweise" mit wertvollen Tipps für die anwaltliche Tätigkeit.

    Hinzu kommen die zahlreichen Muster und Formulierungsbeispiele - allerdings beschränkt auf die Teile 1, 5, 6, 7, 9 und 12 - sowie die Checklisten für die Teile 4, 6, 9 und 14. Schließlich ist sehr zu begrüßen, dass die Muster und Formulierungsbeispiele mit Hilfe der mitgelieferten CD-Rom in die jeweils eigene Textverarbeitung aufgenommen werden können.

    Es würde den Rahmen einer Rezension sprengen, zu jedem einzelnen Teil Ausführungen zu machen. Deshalb soll beispielhaft an den beiden Teilen zum Strafrecht und zum Verkehrsordnungswidrigkeitenrecht die besondere Qualität dieses Arbeitsbuches für die Praxis aufgezeigt werden.

    Im strafrechtlichen Teil erfolgt hinsichtlich der Ausführungen zum materiellen Recht eine sachgerechte und nachvollziehbare Beschränkung auf die insoweit einschlägigen Tatbestände mit Bezug zum Straßenverkehr: zu allererst und am ausführlichsten das Thema Alkohol allgemein, um im Anschluss die klassischen Tatbestände der Trunkenheitsfahrt (( 316) in allen rechtlichen Facetten, der Gefährdung des bzw. des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ((§ 315b und c StGB), des räuberischen Angriffs auf Kraftfahrer (( 316a StGB), des Unerlaubten Entfernens vom Unfallort (§ 142 StGB), der fahrlässigen Tötung bzw. Körperverletzung (§§ 222, 229 StGB), sowie der Nötigung (( 240 StGB) und aus dem Nebenstrafrecht die am meisten vorkommenden Tatbestände des Fahrens ohne Fahrerlaubnis (§ 21 StVG) und des Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz (§ 6 PflVG) zu erläutern.

    Besonders erwähnenswert und hilfreich sind, insbesondere für die Kolleginnen und Kollegen, die nicht zugleich Fachanwältin/Fachanwalt für Strafrecht sind bzw. ansonsten nicht im strafrechtlichen Bereich tätig sind, aus dem anschließenden verfahrensrechtlichen Teil die Checklisten Gefahr im Verzuge (S. 955f) und Beweisverwertungsverbote (S. 957f) zu er­wähnen, weil bekanntermaßen die Grundlagen für eine spätere erfolgreiche Revision bzw. analog für das Bußgeldverfahren die erfolgreiche Rechtsbeschwerde bereits in der Tatsacheninstanz geschaffen werden müssen.

    Hinsichtlich der beiden Teile zum Ordnungswidrigkeitenrecht (Teil 7 und 8) ist kritisch anzumerken, dass in Teil 7 bereits umfangreiche Ausführungen nicht nur zu den materiellrechtlichen drei Einzelthemen in Teil 8 gemacht werden, sondern auch weitere doch eher materiellrechtliche Einzelthemen wie Trunkenheits- und Drogenfahrt (§ 24a I, II StVG), die relativ neue Vorschrift des Alkoholverbots für FahranfängerInnen (( 24c StVG) sowie die sogenannte Handybenutzung ( 23a StVG) abgehandelt werden.

    Hervorragend ist die Bearbeitung des Abschnitts Ausgewählte Verfahrensfragen mit zahlreichen Musterschriftsätzen und Formulierungsbeispielen, die vor allem deutlich machen, dass auch das Bußgeldverfahren ein streng formalisiertes Verfahren nach den Vorschriften der StPO ist und damit letztlich zumindest was den prozessualen Bereich angeht, nichts anderes als Strafverfahren ist und deshalb engagierte und streng an den Interessen der Mannschaft ausgerichtete Verteidigung erfordert - auch und gerade weil dies in weiten Teilen der RichterInnenschaft anders gesehen wird.

    Fazit: dass dieses Handbuch für die Praxis ein Muss für alle im Straßenverkehrsrecht tätigen Kolleginnen und Kollegen ist, liegt auf der Hand. Hinzu kommt aus Sicht des Rezensenten allerdings die Einschätzung, dass die Kollegenschaft mit diesem Handbuch an der Seite allzeit auf der richtigen Seite steht - aus Sicht der Mandantschaft. Und nur darauf kommt es an!


zurück zur Übersicht


Die Nutzung von Burhoff-Online ist kostenlos. Der Betrieb der Homepage verursacht aber für Wartungs-, Verbesserungsarbeiten und Speicherplatz laufende Kosten.

Wenn Sie daher Burhoff-Online freundlicherweise durch einen kleinen Obolus unterstützen wollen, haben Sie hier eine "Spendenmöglichkeit".